Früher war alles besser!

Portrait von Stephan Bazalka

Stephan Bazalka - 06.01.2010, 18:05

Allen Leserinnen und Lesern unseres Weblogs ein frohes neues Jahr!

Zum Start für 2010 erlaube ich mir eine persönliche Betrachtung: Ich wundere mich, ja ärgere mich zuweilen über die Rückblicke auf die „Nuller-Jahre". Das liegt nicht an diesem etwas eigenartigen Begriff sondern über den dort herrschenden Konsens, dass so gut wie alles schlechter geworden ist. Sven Gächter schreibt im profil-Rückblick über das vergangene Jahrzehnt: „Über das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts kann man zweifelsfrei nur so viel mit Sicherheit sagen, dass es nun zu Ende geht, was angesichts der bleibenden Schäden, die es hinterlässt, wenig tröstlich erscheint."

Sicher: Terror(gefahr), Kriege und Nöte in Afghanistan, dem Irak und anderswo auf der Welt, die Finanz- und Wirtschaftskrise (die sich in Österreich allerdings nicht in den Weihnachtseinkäufen niedergeschlagen hat, was auch immer das bedeuten mag) und viele andere Ereignisse machen einen Rückblick nicht zu einer lustigen Angelegenheit.

Aber wurde wirklich alles schlechter? Ein (nicht  den Anspruch auf geschichtliche Vollständigkeit erhebende) Blick in die 1990er: Im Völkermord in Ruanda verlieren 100.000 Menschen ihr Leben. Die Geburt von Dolly, dem ersten geklonten Schaf, wird zum Dammbruch für die Selbstvernichtung der Menschheit hochstilisiert. Die Jugoslawien-Kriege machen Hunderttausende zu Vertriebenen. Attentate auf das World Trade Center in New York und deutsche Politiker sorgen für Verunsicherung. Auf einer anderen Ebene sehen manche im Aufkommen von Reality-Shows jeglichen Anstand und Respekt vor Mitmenschen für immer verloren.

Ist auf der anderen Seite neben den zahlreichen schlechten Dingen niemandem aufgefallen, dass im vergangenen Jahrzehnt mit der Ostererweiterung der Europäischen Union die Trennung eines ganzen Kontinents nach dem 2. Weltkrieg überwunden wurde? Dass das Internet nicht nur große Wertschöpfung, sondern auch Ausdrucksformen ungeahnter Vielfalt und Partizipations- und Protestmöglichkeiten (Moldawien! Iran! Uni-Proteste!) gebracht hat, die eine demokratische Gesellschaft stärken? Dass es keine militärischen Auseinandersetzungen vor unserer Haustüre gab und man nicht einmal Angst davor haben musste?

Ich bin kein Historiker aber mir scheint: Die Welt hat sich in den 2000er-Jahren nicht vom Paradies in die Hölle verwandelt. Denn: Wenn sie jetzt schlecht ist, war sie es früher auch schon.

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