Jugendpastoraltagung in Szombathely

Portrait von Stephan Bazalka

Stephan Bazalka - 21.11.2009, 18:10

Einige sehr intensive Tage liegen hinter mir: Von meinem Studienort in Finnland aus habe ich mich zuerst privat Richtung Frankfurt aufgemacht, um dann über Wien weiter nach Szombathely zur Jugendpastoralkonferenz zu reisen.

Rund um den Mitteleuropäischen Katholikentag in Mariazell im Jahr 2004 hat ein Jugendtreffen mit 6000 Jugendlichen stattgefunden. Das Team von damals widmet sich auch heute noch dem Austausch zwischen katholischen Jugendorganisationen Mitteleuropas und hat daher zu dieser Konferenz eingeladen. X Menschen aus Österreich, Ungarn, Bosnien-Herzegowina, Polen, Slowenien, Slowakei, und Tschechien haben den teilweise recht langen Weg auf sich genommen. Und es hat sich ausgezahlt:

Eröffnet wurde die Konferenz durch einen eher langatmigen Vortrag eines Soziologen, der allerdings grundsätzlich interessante Daten zur Religiosität von Jugendlichen aus den teilnehmenden Ländern präsentiert hat. Leider war Österreich in der Studie nicht vertreten, trotzdem gab es bemerkenswerte Unterschied zwischen den einzelnen Ländern, die Ausgangsbedingungen für Jugendarbeit könnten unterschiedlicher nicht sein.

Abends waren die Länder aufgefordert, sich einander gegenseitig vorzustellen. Geworden ist es mehr ein fröhliches „Sing mit, tanz mit": Neben Walzer haben wir Polka, einen Tanz zu Tarzan & Jane (Danke, Bosnien-Herzegowina!) und einem ungarischen Volkstanz haben besonders die Leute aus Slowenien (oder Slovenia, wie sie nicht müde wurden zu betonen) mit einem Volkslied für gute Unterhaltung gesorgt.

Mein persönliches Highlight war jedenfalls der Freitag: Am Vormittag wurde in verschiedenen Themengruppen diskutiert, ich durfte das Thema „Soziale Brennpunkte in der Jugendarbeit" moderieren. Daraus hat sich eine sehr interessante Diskussion über die Tradition von Freiwilligenarbeit entwickelt: Während diese in vielen der ehemals kommunistischen Staaten schlecht verankert ist (und überhaupt das Engagement der Kirche in sozialen Fragen oft abgelehnt wird), ist die Situation etwa in Bosnien ganz anders. Die Teilnehmerin erzählte, dass es für viele Jugendliche selbstverständlich ist, soziale Arbeit zu leisten: Kinder im Waisenhaus besuchen, Obdachlose betreuen etc. Ein nicht unwesentlicher Grund: Die Erfahrung, dass man sich auf den Staat nicht verlassen kann. Daraus hat sich dann die Frage ergeben, wer denn für Menschen in Not Verantwortung übernehmen muss und wer dafür besser geeignet ist: Der Staat oder die Kirche? Unser Fazit bezogen auf die aktuelle Situation der Kirche war: Obwohl uns das seelische und körperliche Wohl der Menschen ein Anliegen sein muss, delegieren für die Verantwortung für letzteres gerne irgendwo anders hin: Etwa an den Staat oder an die Caritas (durch eine Spende, die uns nicht weh tut).

Am Nachmittag wurden verschiedene „Best Practices" vorgestellt. Ein jährlich stattfindendes Festival für 100.000 Jugendliche in Lednica (Polen) hat mich besonders fasziniert, das möchte ich mir kommenden Juni gerne ansehen.

Abgesehen von diesen inhaltlichen Impulsen fasziniert mich noch etwas ganz besonders. „Europa wächst zusammen und wir sind ein Teil davon", hat es im abschließenden Segen geheißen. Auch für einen politisch und kulturell interessierten Menschen hat die persönliche Begegnung mit so vielen jungen Leuten aus unseren Nachbar- und Nachbarnachbarsländer jenseits des vor 20 Jahren gefallenen „Eisernen Vorhangs" hat viel dazu beigetragen, die Mauer in meinem Kopf abzutragen.

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